INES News

 

Guter Boden riecht nach gelber Rübe

|

Bei einem zweitägigen Workshop an der Hochschule Offenburg haben die Beteiligten des Projekts PK-BiG eine erste Zwischenbilanz gezogen.

Menschen stehen auf einem Acker und schnuppern an Erde, die sie in der Hand haben
© Hochschule Offenburg, Daniel Kray

Landwirt Matthias Huber (links) lässt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops auf seinem Lindenhof in Achern-Wagshurst an dem mit Pflanzenkohle angereicherten Ackerboden riechen.

Menschen stehen in einem Gewächshaus mit Salatpflanzen
© Hochschule Offenburg, Daniel Kray

Landwirt Johannes Witt (rechts) vom Demeterhof Witt in Offenburg berichtete über seine Erfahrungen beim Anbau von Ackersalat und Spinat auf Erde mit eingearbeiteter Pflanzenkohle in den Gewächshäusern.

Im Verbundprojekt Pflanzenkohle und Blühstreifen im Gemüsebau (PK-BIG), das in den Think Tank FYI: Landwirtschaft 5.0 eingebunden ist, untersuchen Wissenschaftlerinnen und wissenschaftler der Hochschule Offenburg, der Universität Tübingen und des Ithaka-Instituts in Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben wie Pflanzenkohle im Gemüselandbau mehrwertstiftend und sinnvoll eingesetzt werden kann. Auf dem Lindenhof in Achern-Wagshurst und auf dem Demeterhof Witt in Offenburg geschieht dies bereits. Dort informierten sich die Projektverantwortlichen gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern vom Eglisenhof in Esslingen, vom Buchenhof und der Schäffer GbR in Köngen, vom Binsachhof in Filderstadt, von Gemüsebau Huber in Friesenheim, dem Gemüsering Stuttgart sowie der Leiterin für Nachhaltigkeit im Handel bei EDEKA Südwest über die bisher gemachten Erfahrungen.

„Guter Boden riecht nach gelber Rübe“, erklärte Landwirt Matthias Huber vom Lindenhof und hielt den Besucherinnen und Besuchern mit Pflanzenkohle angereicherte Erde von seinem Acker als „Riechprobe“ entgegen. Während auf dem Lindenhof die Pflanzenkohle als Einstreu und Futterzuschlagstoff im Stall und anschließend auf dem Maisacker als Dünger genutzt wird, wachsen auf dem Demeterhof Witt Ackersalat und Spinat auf Erde mit eingearbeiteter Pflanzenkohle in den Gewächshäusern. Schon diese Beispiele machten deutlich, dass zum effizienten Einsatz von Pflanzenkohle viel Ausprobieren gehört.

Und so diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops anschließend noch ausführlich über verschiedene Möglichkeiten zum sinnvollen und erfolgversprechenden Einsatz von Pflanzenkohle in der betrieblichen Praxis. Interessanter als die aufwändige flächendeckende Einbringung von Pflanzenkohle in den Boden, fanden die Beteiligten die Nutzung von Pflanzenkohle als Torfersatz bei der Anzucht von Jungpflanzen in sogenannten Erdpresstöpfen. Die Vorteile wären, dass weniger klimaschädlicher Torf im Anzuchtsubstrat enthalten ist und gleichzeitig die Pflanzenkohle genau da ist, wo sie ihre Vorteile am besten ausspielen kann – an den Wurzeln der Pflanzen. Wird der Erdpresstopf mit der Jungpflanze später im Feld gesetzt, kann die Pflanzenkohle Wasser und Nährstoffe direkt an der Wurzel speichern, wo die Pflanze sie am besten aufnehmen kann. Zudem würde die Pflanzenkohle die Bodenstruktur an dieser Stelle verbessern, die Ansiedlung und Aktivität nützlicher Bodenmikroorganismen fördern und Schadstoffe binden. Daneben könnten durch die Herstellung der benötigten Pflanzenkohle der CO2-Gehalt in der Atmosphäre und damit die Erderwärmung reduziert werden.

Weitere Untersuchungsgegenstände des Projekts PK-Big sind die Geräte mit denen die Pflanzenkohle ohne viel Aufwand und Kosten ausgebracht werden kann, welche Pflanzenkohleprodukte sich am besten eignen, welchen Einfluss die Anwendung von Pflanzenkohle auf den Ertrag hat und ob positive Effekte bei Extremwetter beobachtet werden können. Das Projekt wird gefördert im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-AGRI). Die Fördermaßnahme ist eine Maßnahme des Maßnahmen- und Entwicklungsplans Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014-2020 (MEPL III). Das Projekt wird durch das Land Baden-Württemberg und über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) finanziert.